Claudia Bischoff-Wanner

 

Claudia Bischoff-Wanner

 

Ähnlich wie für Loriot ein Leben ohne Möpse zwar möglich, aber sinnlos ist, wäre für mich ein Leben ohne Lesen nicht nur sinnlos, sondern schlichtweg nicht vorstellbar. Lesen ist für mich nicht nur eine Leidenschaft, sondern eine Notwendigkeit. Jeder, der viel liest, stellt sich wahrscheinlich irgendwann einmal die Frage, wie es wohl wäre, selbst etwas zu schreiben. Die Absicht zum Schreiben hatte ich also schon lange, aber wie das immer so ist mit den guten Vorsätzen …

 

Dabei habe ich schon viel geschrieben, beruflich als Hochschullehrerin, Fachtexte, Artikel und Bücher zu verschiedenen Fachthemen. An die Erzählprosa habe ich mich erst gewagt, als ich aufgehört habe, zu arbeiten. Nun wohne ich seit kurzer Zeit in Bad Wörishofen und bin sehr froh, dass ich den Kurs „Kreatives Schreiben“ an der VHS Kaufbeuren entdeckt habe, an dem ich nun seit mehreren Semestern teilnehme. Seit einiger Zeit bin ich auch beim Schreibkreis Schreib schon. Und es macht Spaß, es ist ein schönes Hobby – oder vielleicht auch Lebensinhalt? Was viele nicht wissen: Die „Tipps und Tricks“ des guten Schreibens kann man lernen, die Kreativität, so man sie noch nicht hat, findet sich dann auch ein. Und fleißig muss man sein als Schreiberling – das nehme ich mir jedenfalls immer vor. So ganz gelingt es mir noch nicht.

 


 

Weihnachten mit Mutter

„Hör mal“, sagte Ines beim Frühstück zu ihrem Mann Thomas, „lass uns doch dieses Weihnachten mal nicht zu deiner Mutter gehen, lass uns mal was anderes machen.“ Thomas legte die Zeitung hin und sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Das geht nicht, Mutter erwartet uns, sie freut sich doch immer so auf Weihnachten.“ „Ach, Tommi, ich weiß ja, aber wir gehen jetzt schon jahrelang am Heiligabend zu deiner Mutter und ich möchte so gern mal was anderes machen.“

 

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Weihnachten mit Kindern

Barbara war in Hochstimmung. Ihre beiden Kinder hatten zugesagt, zu Weihnachten zu kommen. Sie sah die beiden nur noch selten, seit sie außerhalb studierten, Leo Informatik in Berlin, Lena Medizin in Marburg. Seit dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren hatte sie die beiden jedes Weihnachten eingeladen, aber ständig war ihnen etwas dazwischen gekommen, so dass Barbara die letzten Jahre zu Weihnachten immer allein gewesen war. Aber diesmal hatte sie darauf bestanden, dass die beiden zusammen kommen sollten. Und deshalb sollte dieses Weihnachtsfest auch richtig schön werden, so wie früher, als die Familie noch beisammen war.

 

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Tod auf der Straße

 

Hier war er also gestorben. Schweigend stand ich an der Stelle und blickte auf die paar kümmerlichen Blumensträuße hinunter, die mitleidige Menschen hier abgelegt hatten. Eine fast poetische Stelle zum Sterben, dachte ich abwesend, ein mittelalterlicher Brunnen an der Hauswand mitten in der Fußgängerzone.

„Kannten Sie ihn?“, fragte ich die Frau, die neben mir kniete und gerade eine rote Friedhofskerze entzündete.

Sie blickte auf. „Nein, ich kannte ihn nicht. Hier auf den Stufen hat er immer gesessen und auf seiner Mundharmonika gespielt. Er gehörte sozusagen zum Stadtbild. Wir werden ihn vermissen.“

 

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Tante „Freut-ihr-euch“

Meine Mutter war gerade dabei, die Kerzen auf dem Adventskranz anzuzünden, als sie plötzlich einen Schrei ausstieß und alles fallen ließ, was sie in der Hand hatte.

„Um Gottes willen“, rief sie, „ das hatte ich ja ganz vergessen! Oh nein!“ Sie war ganz bleich geworden und schlug die Hände vor das Gesicht.

Wir stürzten auf sie zu. „Was denn, was ist denn“, schrien wir entsetzt, auf das Schlimmste gefasst.

„Tante Freut-ihr-euch“, stöhnte sie. „Sie ist die letzten Jahre immer am ersten Advent gekommen, bestimmt kommt sie gleich.“

 

Der ganze Text: Tante "Freut-ihr-euch"

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Das Haus im Hochland

Ich erwarte nicht, dass man mir meine Geschichte glaubt. Ich weiß ja selbst nicht, ob ich das alles nur geträumt habe oder ob es wirklich geschehen ist. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, die Geschichte dennoch zu erzählen. Vielleicht gewinne ich für mich selbst dadurch endlich Klarheit.

 

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Entscheidung in der Sommernacht

Ich hatte mir gerade ein Bier aus dem Kühlschrank geholt und wollte mich zu einem gemütlichen Fernsehabend auf der Couch niederlassen, als meine Frau ins Zimmer kam.

„Wir müssen reden, Markus“, sagte sie mit ernstem Gesicht.

Mir sank das Herz. Ich hatte so etwas natürlich kommen sehen. Meine Frau ist nicht glücklich, wir hatten in der letzten Zeit viel gestritten und es war sogar schon von Scheidung die Rede gewesen. Das war es wahrscheinlich, was sie mir jetzt mitteilen wollte.

 

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Ein gutes Leben

Ich kann sagen, dass der zweite Advent 1994 mein Leben verändert hat. An diesem Nachmittag steckte meine Mutter den Kopf in mein Zimmer.

„Steffi, kommst du mal bitte ins Wohnzimmer?“

Stöhnend legte ich den Kopfhörer ab und folgte meiner Mutter ins Wohnzimmer. Auf dem Tisch stand ein hübsches Adventsgedeck und daneben lag ein in Weihnachtspapier gewickeltes Päckchen. Nanu, dachte ich überrascht und erfreut, sie schenkt mir was zum Advent?

„Ich möchte, dass du diesen kleinen Adventsgruß herunterbringst zu Frau Matthäus“, sagte meine Mutter.

„Was?“, rief ich entgeistert, „zu Frau Matthäus? Warum denn das?“

 

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Ein Abend im Café

Wie jeden Abend suchte er das kleine Café in der Nähe seiner Wohnung auf, in dem er das Abendessen einzunehmen pflegte. Der Kellner begrüßte ihn mit einem flüchtigen Nicken, wie einen guten Bekannten, den man nicht weiter beachtet, weil er zur Szenerie gehört, wie das Mobiliar. „Das Übliche?“, fragte er im Vorbeieilen. Der Mann nickte. Ein Schoppen Wein, Pasta mit Salat, später ein Kaffee, jeden Abend das Gleiche. Er sah auf die Uhr. Halb acht, um 10 vor acht verließ er das Restaurant und ging nach Hause, um die Tagesschau zu sehen. Dann vielleicht ein Krimi im Fernsehen oder ein Buch, dann ins Bett. So lebte er und er war nicht unzufrieden. Sein Leben war ohne Höhen und Tiefen, aber die Regelmäßigkeit gab ihm Sicherheit. Er wünschte sich nichts anderes.

 

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Der Weihnachtsbaum

Zwei Tage vor Weihnachten fiel Conny auf, dass sie noch keinen Weihnachtsbaum hatten. In der allgemeinen vorweihnachtlichen Hektik hatte sie ganz vergessen, einen zu besorgen. Am Abend wartete sie, bis die Kinder in ihren Zimmern waren und sagte dann zu ihrem Mann Martin:

„Hör mal, du musst morgen auf dem Nachhauseweg einen Weihnachtsbaum kaufen, du kennst ja den Stand an der Ecke noch vom vorigen Jahr.“

Es zeigte sich, dass Martin auch schon an den Weihnachtsbaum gedacht hatte.

„Ich bin gestern an dem Stand gewesen“, sagte er, „die Weihnachtsbäume sind unverschämt teuer dieses Jahr, sie werden jedes Jahr teurer. Ein vernünftiger Baum kostet mindestens 40 Euro. Unser Nachbar, Herr Reuter, war übrigens auch da, der hat sich genauso aufgeregt über die Preise.“

„Da kann man halt nichts machen“, sagte Conny, „oder willst du einen klauen?“ Sie lachte. Zu ihrer Überraschung lachte Martin nicht.

 

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Auf dem Flugtag

Wegen des Staus kam ich relativ spät zum Flugfeld. Tausende hatten sich bereits eingefunden, um die Aerobatic Show zu sehen, deren Höhepunkt heute die italienische Kunstflugstaffel von Frecce Tricolori war. Was für ein herrlicher Anblick, dachte ich, oben der weite blaue Himmel, unten die vielen Menschen wie bunte Tupfen auf dem grünen Rasen, lachend und schwatzend, eine fröhliche, festliche Stimmung verbreitend. Ich hätte die Welt umarmen können, wie immer, wenn ich auf einem Flugtag war.

Während ich in die Menge eintauchte, fing ich aus dem Stimmengemurmel hier und da ein paar Gesprächsfetzen auf: „Frecce Tricolori, waren das nicht die von Ramstein damals…?“ „Oh, guck mal Mama, das ist eine Tiger Moth…“, „Irmi, hast du die Stullen dabei?“

 

Der ganze Text: Auf dem Flugtag

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Ich kann sagen, dass der zweite Advent 1994 mein Leben ver

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