Lyrisches
Lyrisches
FRANZISKA HEFELE-BECK

Wenn es deutlich mehr sein darf
Wozu andere hunderte, oder tausende Worte brauchen, das gelingt Franziska Hefele-Beck, mit einer Handvoll, oder höchsten mit zwei Händen voll Worten. Wie Blumensamen entfaltet sich jedes kleine lyrische Werk zu einem bunten Reigen von eindrucksstarken Bildern und Szenen, deren Reiz sich kaum jemand entziehen kann.
Was andere - in der Regel erfolglos - mit aufdringlichen lyrischen Mitteln versuchen, gelingt ihr praktisch in jedem Gedicht durch eine ergreifende Einfachheit und Schlichtheit. Lyrik kann ein Schlüssel sein, für sich in seinen selbstgeschaffenen Elfenbeinturm einzusperren. Franziskas Werk dagegen ist ein Schlüssel, mit dem sie eine Tiefe des Erlebens erschließt, die für zeitgenössische Dichtung, die oft nach schneller und oberflächlicher Wirkung drängt, äußerst ungewöhnlich ist.
Es ist wohl nicht zu weit hergeholt, wenn wir ihre Gedichte als meditative Werke, eine Art Zendichtung, verstehen, die sowohl in ihrer einfachen Form als auch in der Stärke ihrer Ausdruckskraft nur noch mit den besten Haikus japanischer Meister verglichen werden können. Trotz der wenigen Worte und der bescheidenen Form eröffnet jedes Gedicht sehr unterschiedliche Ebenen der Seinserfahrung.
Ihre neue CD „Räume“, von Roswitha Hofmann und ihr selbst besprochen und von den wunderschönen Klavierkompositionen von Klaus Geisel begleitet, dürften, wie die hier angebotenen Kostproben belegen, unter Beweis stellen, dass ihre kleinen Werke ein wahres Kleinod der Dichtkunst darstellen.
"Angepflockt"
Stimme: Roswitha Hofmann, Musik: Klaus Geisel
- Angepflockt
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"Bist du über taufrisches Gras gelaufen"
Stimme: Franziska Hefele-Beck, Musik: Klaus Geisel
- Bist du über taufrisches Gras gelaufen
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PETER WÜRL

Gleichgültig ob ernst und hintergründig gemeint, oder ob die Gedichte von Peter Würl, dem Allgäuer Dichter, einen humorvollen Klang anstimmen - es kann nur nachdrücklich vor ihnen gewarnt werden, weisen seine lyrischen Werke erfahrungsgemäß doch einen starken Suchtcharakter auf.
Peter Würl, Jahrgang 1946, vielen Eingeweihten als Lyrik-Peter bekannt, spielt in seiner Lyrik mit Worten, Formen und Ideen so geschickt und virtuos, dass seine zahlreichen Leser und Zuhörer in ganz Deutschland sich kaum einer dauerhaften Abhängigkeit entziehen können. Wenn man derzeit im Allgäu irgendwo gefüllte Räume bei Lesungen findet, handelt es sich trotz der sonst so abschreckend wirkenden Begriffe wie Dichter und Lyrik, in der Regel um einen Vortrag von Würlschen Gedichten.
Was zunächst als harmlose Neugierde beginnt, endet in der Regel bei den meisten Abhängigen in dem Drang, immer mehr und immer öfter seine Gedichte zu lesen und zu hören. Trotz dieses hohen Risikos bietet der Dichter in seinem eigenen Blog einer breiten Öffentlichkeit derzeit Zugang zu einigen seiner poetischen Werke. Ausdrücklich sei betont, dass hier keine Haftung für den Besuch seiner Seiten oder für das Anhören der von ihm hier zur Verfügung gestellten Kostproben übernommen werden kann.
"Pan"
- Pan
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"Liebesgedicht an die Sackgassen"
- Liebesgedicht an die Sackgassen
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Zur Internetseite von Peter Würl
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ROSWITHA HOFMANN
Eine Frau, die ihren eigenen Weg geht und das nicht nur, wenn man(n) sie lässt.
Roswitha Hofmanns Gedichte haben sich im Laufe der Jahre verändert, wurden weicher, fließender, weiblicher, verloren irgendwie im Fluß der Zeit ihre harten Konturen, ihre Strenge.
Leicht und schnell zugänglich sind ihre kleinen, wunderschönen Gedichte aber immer noch nicht. Das wird sie wohl einräumen.
„Leicht oder schwer: Darum geht es nicht“, wird sie sagen, soweit sie nicht nur mit den Schultern zuckt und vielsagend lächelt. „Wenn du Blumen zum schnellen Pflücken suchst, dann musst du dich woanders umtun“, scheinen ihre leuchtenden Augen zu flüstern.
„Was willst du mit dem Gedicht sagen?“, ist man dennoch versucht zu fragen. Ihr Lächeln sagt es noch einmal deutlich: „Das musst du schon selbst herausfinden.“
Früher machte sich der Kopf, der Verstand an seine analytische Arbeit, wenn man versuchte, die Tiefe ihrer ungewöhnlichen Wort- und Versgebilde zu ergründen. Und jetzt? Farbenfrohe Blüten im Morgentau, die vielleicht nicht verstanden, sondern betrachtet werden wollen.
Diese stille, betrachtende Versenkung in die Laute lohnt sich, denn hinter der scheinbar sinnlos-sinnvollen Schönheit der Worte wartet ein wenig das Geheimnis des Seins, zumindest für den, der sich die Zeit nimmt zu schauen, wie sich alles langsam, unmerklich entfaltet.
rosenlicht sprengt
den schlaf
poseidon füllt
sand in leere meere
rückwärts langsam
mahlen
die windflügel
mehl zu korn
zum sand den stein
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mit beiden händen meine
kreise in den see schieben
tropfen fallen jeder in
einen kreis
der regen stickt ein
flinkes muster
vom dorf her die glocke
dass es mittag wird
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lichtrot
in scherben
liegt die melodie
zu füssen
dem mond
fadenfein zieht
er glocken
klang hinauf
an sein herz
